Nordland Kammermusikkurs

Förderprojekt: Nordland Kammermusikkurs

Der Nordland Kammermusikkurs wird seit 2001 von Feldtmann Kulturell gGmbH ermöglicht. Er versteht sich als Einrichtung zur Förderung hochbegabter junger Musiker ab 12 Jahren auf dem Gebiet der Kammermusik.

Einmal im Jahr erhalten diese jungen Musiker aus der Region Norddeutschland eine Woche lang Gelegenheit, im Team zu musizieren und dabei intensiv von namhaften Hochschulprofessoren unterrichtet zu werden. Beim Nordland Kammermusikkurs des Landesmusikrates im Nordkolleg Rendsburg üben sie vor allem das Aufeinanderhören und eigenständiges Ensembleproben.

Zum Kursinhalt gehören u. a. die intensive Auseinandersetzung mit alten und neuen Kammermusikwerken sowie die Vorbereitung auf drei Abschlusskonzerte mit einer Auswahl an Stücken aus dem Kursprogramm.

Schweizer Käse und frühe Achtel

Artikel der Kieler Nachrichten KN-online Oliver Stenzel 04.01.2015

In der Ensemblegruppe von Prof. Ulf Tischbirek musizieren Geraldine Galka, Flavia Pietzker (1. bzw. 2. Violine), Lisa Schwarz (Viola), Timo Jürgensen (Klavier) und Pauline Gude (Cello).Foto: © * KN-online

Rendsburg – Neujahrsstille liegt über dem Campus des Rendsburger Nordkollegs. Doch immer wieder spaziert ein Jugendlicher mit einem verdächtigen Koffer durch den Garten der Akademie. Sein Inhalt ist leicht zu erraten, wenn er beispielsweise wie ein Cello oder eine Geige geformt ist. Mitunter aber muss man mutmaßen: Ist da vielleicht eine Querflöte drin? Oder eine Klarinette?

Folgt man einem der rund 40 jungen Musikern, die hier bereits seit dem 1. Januar zusammenarbeiten, landet man womöglich in der Ensembleklasse von Ulf Tischbirek. Der Lübecker Cello-Professor und künstlerische Leiter des 14. Nordland-Kammermusikkurses sitzt konzentriert auf einem Stuhl und hört auf das, was das “Ensemble 18″, eine von insgesamt 25 Formationen, aus Antonin Dvoráks Klavierquintett op. 81 macht. Der erste Satz steht auf dem Programm, doch weit lässt Tischbirek seine Schüler nicht kommen. Denn zunächst einmal ist hier “Knochenarbeit” gefragt, wie er später sagen wird. “Das klingt alles noch viel zu schwerfällig”, konstatiert er und lässt die 1. Violine ein paar Takte solo geigen. “Du musst mit noch viel mehr Bogen spielen, aber es muss ein leichter Bogen sein”. Ein paar Takte später gibt er der Viola Feedback: “Das ist mir noch ein bisschen zu sehr Schweizer Käse. In der Musik sind zu viele Löcher drin. Es soll nicht so nach Luftschnappen klingen!”

Die Atmosphäre wirkt trotz dieser Detailkritiken offen und locker. Es ist das 14. Mal, dass der Landesmusikrat Schleswig-Holstein in Kooperation mit dem Landesmusikrat Mecklenburg-Vorpommern und dem Landesausschuss “Jugend musiziert” Hamburg den Kammermusikkurs im Nordkolleg veranstaltet, der den zwölf- bis 18-jährigen Teilnehmern vertiefte Einblicke in eine Disziplin vermittelt, die sie in dieser Bandbreite sonst selten erleben können. Vom Duo bis zum Oktett reicht dabei die Besetzungsstärke. “Für viele ist es das erste Mal, dass sie in so großen Ensembles Kammermusik machen”, sagt Tischbirek und ergänzt: “Ein unglaublich wichtiger Pfeiler der musikalischen Ausbildung!” Dass der Kurs nicht für alle Nordland-Teilnehmer Neuland bedeutet, liegt daran, dass es auch einige Wiederholer gibt. “Sie heben das Niveau ungemein und ziehen die anderen mit”, konstatiert Tischbirek, der anfangs noch Studenten dazu lud, um entsprechende Effekte zu erzielen.

Viele der Teilnehmer erfahren heute im Rahmen des Jugend-musiziert-Wettbewerbs von dem von der Stiftung Feldtmann unterstützten Kammermusikkurs. Zu ihnen zählt die Flötistin Catharina von Schlieffen. “Ich finde es spannend, wie jeder Dozent hier ganz eigene Akzente einbringt”, urteilt die 17-jährige Schülerin der Ricarda-Huch-Schule. “Außerdem bekomme ich Tipps, die auch jenseits des konkreten Repertoires relevant sind – beispielsweise in Sachen Atemtechnik.” Und als sie wenig später mit sieben weiteren Teilnehmern Johann Strauß’ Kaiserwalzer probt, zeigt Dozentin Angela Firkins, dass es in der Musik mitunter auch darum gehen kann, nicht ganz richtig zu spielen: “Genau genommen müssen die ersten beiden Achtel immer etwas zu früh kommen”, erklärt die Lübecker Flöten-Professorin, die bald zum nächsten Ensemble eilen muss und ihren Schülern rät, noch ein wenig selbstständig weiterzuproben. Dass diese sich das nicht zweimal sagen lassen, spricht für sich.

Abschluss-Konzert des Nordland-Kammermusikkurses 2016, veranstaltet von Feldtman Kulturell im Fasskeller Hamburg. – Ein Film der Springfilm-Produktion, Therese Ulrich.

NDR Radiobeitrag zum Nordland-Kammermusikkurs 2016.

Dozenten

Prof. Ulf Tischbirek (Violoncello, künstlerische Leitung)
Studium bei Klaus Storck, Rudolf Metzmacher und Radu Adulescu. 1. Bundespreise “Jugend musiziert” 1966, 1972 und 1974 in der Solo- und Kammermusikwertung. Bundesauswahl Konzerte junger Künstler, Stipendiat und Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs und der Studienstiftung des deutschen Volkes. 1982-1986 Solocellist am Staatstheater Braunschweig, 1987-1992 Mitglied des Grüneburg-Klaviertrios. 1982-1992 Lehrtätigkeit an der Musikhochschule Hannover, seit 1986 Professur an der Musikhochschule Lübeck. Seit 2004 außerdem Lehrauftrag am Belvedere, Musikhochschule Weimar. Weltweit Konzerte, Rundfunk-, Fernseh- und Schallplattenproduktionen. 1996-2001 Leiter der Meisterkurse des Schleswig-Holstein Musik Festivals.

Prof. Christian Sikorski (Violine/Viola) erhielt seine musikalische Ausbildung in Frankfurt, Freiburg und Paris. Zu seinen Lehrern zählen Wolfgang Marschner, Jean Fournier und Norbert Brainin. 1985 bekam Christian Sikorski einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Freiburg, seit 1991 unterrichtet er als Professor an der Musikhochschule Stuttgart. 1989 Regio-Förderpreis der deutschen Industrie. Außerdem ist Christian Sikorski Leiter des Bartholdy-Ensembles Rheinfelden, einem Kammerorchester, das vorwiegend in Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz konzertiert.

Prof. Konstanze Eickhorst (Klavier) Studium bei Karl-Heinz Kämmerling (Hannover), Vlado Perlemuter (Paris). Mit 20 Jahren Gewinnerin des Clara-Haskil-Wettbewerb. Spielte unter Dirigenten wie Sandor Vegh, Christoph Eschenbach, Andrew Davis, Ferdinand Leitner. Mitglied des „Linos-Ensemble“, Zusammenarbeit mit dem „Melos-Quartett“, dem „Carmina-Quartett“ und der Berliner Kammervereinigung. Zahlreiche CD-Einspielungen. 1989-1998 Professorin an der Musikhochschule Hannover, seit 1998 an der Musikhochschule Lübeck.

Prof. Angela Firkins (Bläser) studierte bei J.-C. Gérard (Hamburg), bei W. Benett (Freiburg) und bei P. Meisen (München). Sie gewann sowohl als Solistin erste Preise in zahlreichen Wettbewerben (“Jugend musiziert“, Preis der Deutschen Hochschulen) als auch als Mitglied des Albert-Schweitzer-Quintetts (Deutscher Musikwettbewerb, ARD-Wettbewerb u.a.). Sie erhielt den Preis der deutschen Schallplattenkritik, produzierte verschiedene CDs sowie Rundfunkaufnahmen und konzertiert im In- und Ausland. Von 1988 – 1993 war sie Soloflötistin der Hamburger Symphoniker und 1994 Soloflötistin der Radiophilharmonie Hannover des NDR. 1997 folgte die Berufung als Professorin an die Musikhochschule Lübeck.

Veranstalter des Nordland-Kammermusikkurses:
Landesmusikrat Schleswig-Holstein e.V.
in Zusammenarbeit mit dem
Landesmusikrat Mecklenburg-Vorpommern e.V.
und dem Landesausschuss
“Jugend musiziert“ Hamburg
Künstlerische Leitung: Prof. Ulf Tischbirek

Landesmusikrat
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